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Stadtbahnstart erst 2004...


Gemeinderat steht zur Stadtbahn...


Sieben Millionen Euro teurer...


Droht Stadtbahn ein Signalwechsel...


Verhältnis Kosten-Nutzen...


Trassenplanung voll daneben...


Von Kostenlawine überrollt...


Kosten explodieren...





31.Juli 2002: Stadtbahnstart nach Öhringen erst 2004

Der stadtbahngerechte Ausbau der Strecke Heilbronn - Öhringen wird sicher das ganze Jahr 2003 in Anspruch nehmen. Damit wird jetzt offiziell, was schon seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr war: Der Startschuss für die Stadtbahn auf dieser Strecke fällt erst zur Jahresmitte 2004, wie gestern die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft Vertretern von Kommunen und Landkreisen mitteilte.
Mit den Grob- und den Detailplanungen zum Stadtbahnausbau in Richtung Öhringen, die sehr unterschiedliche Kostenschätzungen zur Folge hatten, setzten sich gestern in Obersulm die Vertreter der am Projekt beteiligten Städte, Gemeinden und Landkreise intensiv auseinander und wiederholten ihre Kritik am dem großen Kostensprung zwischen den Grob-Planungen der Deutschen Bahn AG und den Detailplanungen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Deshalb erläuterten sowohl die Bahn als auch die AVG nochmals ausführlich, wie sie zu ihren Kostenschätzungen gelangt waren.
Als Hauptgründe für die unerwarteten Kostensteigerungen nannte die AVG die höheren Sanierungskosten des Weinsberger Tunnels, die Weiterführung der Stadtbahnstrecke in Öhringen bis in den Stadtteil Cappel - ein weiteres Bündel an nötigen Maßnahmen (wir berichteten). Der Projektleiter, Siegfried Lorenz von der AVG, erläuterte, dass auch bei diesen Kostenansätzen noch Restrisiken vorhanden seien.
Trotz umfangreicher Gutachten müsse hinter die Aufteilung der Kosten für die Sanierung des Weinsberger Tunnels und für das notwendige elektronische Stellwerk zwischen der Deutschen Bahn AG und der Stadtbahn noch ein dickes Fragezeichen gemacht werden.
Die Oberbürgermeister und Bürgermeister sowie die Landräte drängten darauf, das Stadtbahnprojekt bereits in der Planungsphase auf Einsparungsmöglichkeiten hin zu untersuchen. Außerdem wiesen sie auf die Schwierigkeiten hin, die Mehrkosten zu finanzieren.
Landrat Czernuska erklärte aber, dass es trotz allen verständlichen Ärgers keine vernünftige Alternative zu diesem zügigen Projektablauf gegeben habe. Hätte man auf den Abschluss aller Verträge gewartet und auf genauen Kostenkalkulationen statt auf Kostenschätzungen bestanden, so wäre nach seiner Einschätzung das Stadtbahnprojekt um mindestens ein bis zwei Jahre verzögert worden.
Mit wenig Begeisterung mussten die kommunalen Vertreter vor Unterschrift der Verträge zur Kenntnis nehmen, dass die Stadtbahn erst im ersten Halbjahr 2004 fahren wird. Die Hauptbauphase soll nun zwischen Juni und Dezember 2003 liegen und währenddessen muss die Bahnstrecke Heilbronn - Öhringen vollständig gesperrt werden.
In dieser Zeit wird, so Projektleiter Lorenz, die Strecke gleichzeitig an verschiedenen Punkten stadtbahngerecht ausgebaut. Als besonders zeitraubend stuft er Planung, Beschaffung und Einbau der Leit- und Signaltechnik ein, weil dieser Punkt intensiv mit der Deutschen Bahn Netz AG und dem Eisenbahnbundesamt abgestimmt werden muss.
Wenn auch das Abweichen von der Zielplanung 2003 schmerze, so sind sich Landrat Klaus Czernuska und sein Hohenloher Kollege Helmut M. Jahn doch einig: "Die Stadtbahn ist notwendig, um dem drohenden Verkehrskollaps auf unseren Straßen entgegenzuwirken.
Wir wollen den Menschen zwischen Heilbronn und Öhringen baldmöglichst ein schnelles, modernes Nahverkehrsmittel mit einer großflächigen Vernetzung und zu attraktiven Taktzeiten als komfortable Alternative zum Auto anbieten".


QUELLE: Redaktion, HEILBRONNER STIMME...



25.Juli 2002: Heilbronner Gemeinderat steht zur Stadtbahn

Das Jahrhundertprojekt Stadtbahn wird vom Heilbronner Gemeinderat trotz der enormen Kostensteigerung nicht in Frage gestellt. Erste Bürgermeisterin Margret Mergen richtet den Blick konsequent nach vorn: "Wir werden die Nord-Süd-Trasse engagiert vorantreiben."
Der schärfsten Kritik nahm Alfred Krüger gestern Abend im Heilbronner Gemeinderat mit seinem Geständnis die Spitze. "Wir hätten Sie früher informieren müssen", bekannte der stellvertretende kaufmännische Werkleiter der Stadtwerke kleinlaut. Denn seit dem Jahre 1998, als eine Vorentwurfsplanung die Kosten für den Stadtbahn-Abschnitt zwischen Harmonie und Trappensee mit 10,1 Millionen Euro bezifferte, wurden die Kosten nie mehr fortgeschrieben.
Auch als der Gemeinderat vor einem Jahr die Trasse festlegte, wurde nur auf die alte Kostenschätzung verwiesen, obwohl weitreichende bauliche Veränderungen wie eine neue Brücke über die Richard-Becker-Straße beschlossen wurden. Nach heutiger Rechnung liegen die Kosten bei 17,3 Millionen Euro.
Dem Gemeinderat sei durchaus bewusst gewesen, dass gerade die das Grün schonenden Maßnahmen beim Pfühlpark nicht ohne Kosten zu bewältigen seien, erklärte für die CDU-Fraktion Helga Drauz-Oertel. Dennoch sei es die Pflicht der Stadtwerke gewesen, frühzeitig auf die gestiegenen Kosten konkret aufmerksam zu machen. Anne Allinger (SPD) hofft, dass alle Gemeinden zwischen Heilbronn und Öhringen nach wie vor zur Stadtbahn stehen.
Dass im Landkreis heilbronn und in Hohenlohe die Angst vor weiteren Kostenexplosionen grassiert, weiß der FDP-Fraktionsvorsitzende Richard Drautz sehr wohl. Schon der Abschnitt zwischen Eppingen und Heilbronn sei eine Erfolgsgeschichte, das begonnene System aber werde nur dann erfolgreich, wenn die Gesamtstrecke fertig ist. Drautz: "Wer A sagt, muss auch B sagen." Trotz der "zweigleisig davon fahrenden Kosten" sieht auch Nico Weinmann (FWV) keine Möglichkeit zur Umkehr: "Es gibt keine Alternative." Und Uwe Ahrens bekannte, dass die Grüne-Alternative auch dann dem Stadtbahn-Projekt zugestimmt hätte, wenn schon damals die heutigen Kosten bekannt gewesen wären.
Neben Alfred Dagenbach (Rep) übte nur Heiner Dörner (FWV) fundamentale Kritik an dem "Prestigeobjekt". Dörner ("Wir sind auf dem Holzweg" ) hält es mit jenen Zukunftsforschern, laut denen " die Eisenbahn absolut auf dem absterbenden Ast" sei.
Entschieden verwahrte sich Erste Bürgermeisterin Margret Mergen dagegen, dass "die Zahlen hingetrimmt" gewesen seien. Volkswirtschaftlich sei es unvertretbar, alle denkbaren Trassen durchzukalkulieren. Die Stadtbahn sei kein Prestigeobjekt, sondern habe der Stadt einen Schub gegeben, der mit anderen Maßnahmen nicht zu erreichen gewesen wäre. Mergen: "Die Stadtbahn ist nicht für zehn oder 20, sondern für 100 Jahre gebaut." Der Heilbronner Gemeinderat hatte über die Kostensteigerung nicht zu entscheiden, er wurde lediglich informiert. Denn Träger der Stadtbahn sind die Stadtwerke.


QUELLE: Gerd Kempf, HEILBRONNER STIMME...



20.Juli 2002: Die Kosten steigen um sieben Millionen Euro

Auch in Heilbronn wird die Stadtbahn erheblich teurer. Statt der im Jahre 1998 geschätzten Kosten von 10,1 Millionen Euro kostet der Neubau-Abschnitt von der Harmonie bis zum Trappensee rund 17,3 Millionen Euro.
Noch ist der Schock nicht überwunden, dass sich der Stadtbahn-Abschnitt zwischen Heilbronn und Öhringen, dessen Kosten im September 2001 mit 42,8 Millionen Euro beziffert worden waren, um 25 Millionen auf 67,8 Millionen Euro verteuert. Die Stadt Heilbronn ist an diesem Abschnitt nur mit 6,8 Prozent beteiligt, so dass sich diese Kostenexplosion für Heilbronn "nicht so gravierend" auswirkt, wie Erste Bürgermeisterin Margret Mergen formuliert hat.
Die neueste Kostenschätzung aber für die innerstädtische Neubaustrecke von der Harmonie bis zum Trappensee, die dem Heilbronner Gemeinderat am nächsten Mittwoch vorgelegt wird, enthält weiteren Sprengstoff. Laut der von der Verwaltung erarbeiteten Drucksache steigen die Kosten von rund 10,1 Millionen um 7,2 auf nunmehr rund 17,3 Millionen Euro.
Zu beachten ist allerdings, dass die Kostenexplosion für die Öhringer Strecke deswegen wie eine Bombe einschlug, weil die letzte Kostenschätzung vom September 2001 stammte - also noch nicht einmal ein ganzes Jahr alt war.
Im Gegensatz dazu wurden die Kosten für die innerstädtische Heilbronner Strecke im Juli 2000 nur für den Abschnitt vom Hauptbahnhof bis zur Harmonie, nicht aber für den Abschnitt von der Harmonie bis zum Trappensee fortgeschrieben. "Die Planung für diesen Abschnitt" , heißt es in der Gemeinderats-Drucksache, "stammt noch aus dem Jahr 1998 und hatte die Qualität einer Vorentwurfsplanung. Aufgabe der damaligen Planung war, nur die Machbarkeit der Trassenführung darzustellen und eine Grundlage für eine Kostenschätzung für den Zuschussantrag zu liefern."
Als die beiden wesentlichen Ursachen für die Verteuerung werden " die Anpassung der Kosten an den aktuellen Planungsstand" sowie "besondere Anforderungen aus dem Planfeststellungsbeschluss" genannt. Konkret heißt dies, dass eine Brücke über die Richard-Becker-Straße "zur Vermeidung von starken Eingriffen in den Grünbestand entlang der Jägerhausstraße" erforderlich wurde. Oder dass beispielsweise der zweigleisige Bereich in der Bismarckstraße verlängert wurde.
Die Kostensteigerung hat die Stadt nicht allein zu schultern. Man geht davon aus, dass sich der Eigenanteil um 1,6 Millionen auf insgesamt 20,8 Millionen Euro erhöht. Die 22,4 Millionen Euro teure Strecke vom Hauptbahnhof zur Harmonie ist mit 17,6 Millionen Euro oder rund 79 Prozent bezuschusst worden.

QUELLE: Gerd Kempf, HEILBRONNER STIMME...



17.Juli 2002: Droht Stadtbahn ein Signalwechsel?

Stopp oder freie Fahrt? Signale und ihre Wirkung beschäftigten den Hohenloher Kreistag in Kupferzell. Thema war die Stadtbahn. Wohin die Reise geht, soll im Herbst entschieden werden.
Vordergründig ging es um einen Nebenaspekt, um "ein Mosaiksteinchen in diesen relativ schwierigen Verhandlungen", wie Landrat Helmut M. Jahn formulierte. Und zwar um die Kostenbeteiligung des Kreises an Defizit oder Mehreinnahmen aus dem Fahrkartenverkauf der künftigen Stadtbahn zwischen Heilbronn und Öhringen-Cappel.
Doch dieses Mosaiksteinchen lag einigen Kreisräten schwer im Magen. Volker Lenz (UWV) zum Beispiel. Der Künzelsauer Bürgermeister fürchtete, ein Ja zu der Fahrgeld-Vereinbarung "könnte den Eindruck erwecken, als ob eine gigantische Kostenexplosion vom Kreistag kommentarlos zur Kenntnis kommen würde".
Der Beschluss habe "Signalwirkung nach außen". Fünf Millionen Euro sollen der Hohenlohekreis, die Stadt Öhringen und die Gemeinde Bretzfeld gegenüber der ursprünglichen Planung drauflegen (die HZ berichtete). Und auch die neuen Zahlen sind nur vorläufig.
Der größte Mehrkostenfaktor: die Signalanlage. Dennoch: Ein Nein in der Fahrgeld-Frage "wäre ein Negativ-Zeichen für die Stadtbahn", befürchtet Landrat Jahn. SPD-Kreisrat Hans-Jörg Grieb forderte vom Kreistag gar ein "politisches Signal für das Projekt".
Das gab es am Ende auch - wobei der Beschluss im Fall der Fälle ohnehin folgenlos wäre. Kommt die Stadtbahn nicht, stellt sich auch die Fahrgeld-Frage nicht mehr.
Der Kostenschock sitzt den Kreispolitikern in den Knochen. Martin Tuffentsammer (CDU) sprach von einem "Tiefschlag" und ist dennoch der Ansicht, "dass man hinter der Sache stehen sollte" . Hermann Limbacher (UWV) sieht in der Stadtbahn eine "Riesenchance " und fürchtet zugleich: "Es wird schwer, da raus zu kommen."
Die Unsicherheit wird die Kreisräte zumindest durch den Rest des Sommers begleiten. Denn erst im Herbst kann die Kreisverwaltung mit neuen Zahlen vor das Gremium treten. Am 30. Juli werde es ein Gespräch aller an der Stadtbahn Beteiligten geben, kündigte Helmut M. Jahn an.
Das sind Stadt- und Landkreis Heilbronn, der Hohenlohekreis, die Anliegergemeinden, die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) als Betreiber und die Bahn AG. Dann kommen harte Zahlen auf den Tisch, hofft der Landrat.
Harte Zahlen sollen bis zum Herbst aber auch aus dem Landratsamt selbst kommen. Denn noch ist unklar, welche finanziellen Folgen die Stadtbahn für den Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH) hat. Das Busnetz muss neu geknüpft werden, damit die Gemeinden abseits der Bahnlinie von dem neuen Angebot profitieren können. Eine Million Euro als mögliche Kosten standen in Kupferzell im Raum. Unwidersprochen, aber auch nicht bestätigt.

QUELLE: Peter Hohl, HOHENLOHER ZEITUNG...



12.Juli 2002: Verhältnis der Kosten zum Nutzen geprüft

Steigt das Land aus der Finanzierung aus? Zieht der Landkreis die Zügel bei der Kostenkontrolle an? Schadet das dem Tempo, mit dem die Stadtbahn bislang vorangetrieben wird? Fragen, die sich nach der Kostenexplosion der Trasse Heilbronn-Trappensee nach Öhringen stellen.
"Es ist nicht auszuschließen, dass vor der standardisierten Bewertung künftig eine größere Vorplanung erwartet wird und vertiefte Untersuchungen gemacht werden", sagt der Heilbronner Landrat Klaus Czernuska. Der Leiter des Kreisplanungsamts, Claus-Jürgen Renelt, unterstreicht, dass das Land und der Bund, die 85 Prozent der Investitionen für Trasse und Haltepunkte tragen, weiterhin mit im Zug sind.
Allerdings erwartet das Land eine Überprüfung der standardisierten Bewertung, die den Kosten-Nutzen-Faktor ausrechnet. Der Projektleiter der Albtalverkehrsgesellschaft, Siegfried Lorenz, erwartet kaum Verschiebungen.
Lediglich höhere Zinsen der zusätzlichen Investitionen und Unterhaltskosten flössen in diese Berechnung ein. Dem stünden höhere Fahrgastzahlen gegenüber, wie man jetzt vom Betrieb Eppingen-Heilbronn wisse.
Czernuska glaubt auch nicht daran, dass die Strecke an der Obersulmer Grenze nach Hohenlohe gekappt wird. "Bei allen Problemen ist es sinnvoll, dass die Bahn dort nicht Halt macht."
"Den Haushalt des Landkreises Heilbronn werfen die Mehrkosten nicht um", sagt Czernuska. Eine Kreisumlagenerhöhung sei deshalb nicht erforderlich. "Da macht uns das Grundsicherungsgesetz und die Umlage für den Landeswohlfahrtsverband mehr Sorgen."
Am Zeitpunkt der Fertigstellung hält Czernuska fest: Ende 2003 kommt die Bahn in Öhringen an. Erst dann kann die Planung für die Nord-Süd-Achse vom Neckartal nach Lauffen beginnen.

QUELLE: Rolf Muth, HEILBRONNER STIMME...



12.Juli 2002: Erste Trassenplanung lag voll daneben

Erst im Juni hat der Landkreis Heilbronn von der immensen Kostensteigerung für die Stadtbahntrasse Heilbronn-Öhringen erfahren. Viel zu niedrig hatte die Deutsche Bahn pauschal Planungssummen angesetzt. Zu spät hatte die AVG Alarm geschlagen.
Jetzt hat die kommunale Seite den Schlamassel. Die Mehrkosten von rund 24 Millionen Euro teilen sich Bund und Land sowie Kreise und Gemeinden (siehe HSt-Grafik). Der Landkreis Heilbronn und die Gemeinden Weinsberg, Ellhofen und Obersulm müssen insgesamt 4,9 Millionen Euro mehr berappen. Die Gemeinden Bretzfeld und Öhringen sowie der Hohenlohekreis schultern zusätzlich fünf Millionen Euro (wir berichteten).
Bei der Stadt Heilbronn sieht es laut Erster Bürgermeisterin Margret Mergen "nicht so gravierend aus". Die Zahlen werden erst zur Gemeinderatssitzung Ende Juli veröffentlicht. Ursachenforschung im Heilbronner Landratsamt: Landrat Klaus Czernuska und der Chef des Kreisplanungsamts, Claus-Jürgen Renelt, nennen den Schuldigen: die Deutsche Bahn. Sie hat die erste Planung im groben Raster 1:1000 entwickelt, pauschal Streckenkilometer ausgerechnet: "Topographie, Tunnel spielten keine Rolle."
Die DB-Netz, die für die Planung bis 2000 allein verantwortlich war, übergab diese mit einer Kostenschätzung über 63,7 Millionen an die Albtalverkehrsgesellschaft. " Wir hatten mit der Bahn kein gutes Gefühl", sagt Renelt. "Die Bahn ist aufgrund ihrer Strukturen nicht in der Lage ein Stadtbahnprojekt zügig durchzusetzen ", setzt der Landrat noch eins drauf.
Der Landkreis gab im Februar 2001 eine Kostenübernahmeerklärung über eine Million Mark ab, damit die AVG mit der konkreten Planung beginnen konnte. Eine zweite folgte im November 2001 mit rund 900 000 Mark. Projektleiter Siegfried Lorenz kennt die Planungsschwächen der Bahn: "Damals habe ich pauschal auf 76 Millionen Mark erhöht."
Im Frühjahr 2001 wurde eine Summe von 43,5 Millionen Euro samt Planungskosten festgezurrt. "Im Vertrag mit dem Landkreis waren auch die Kostenrisiken für den Tunnel Weinsberg, für die Signaltechnik und für die Verkehrssicherung erwähnt", sagt Lorenz mit Blick auf erstaunte Kommunalpolitiker.
Die Sanierung des Weinsberger Tunnels kostet nach konkreter Untersuchung anstatt vier nun fast acht Millionen Euro - zwei Drittel davon stadtbahnbedingt. Ausgangslage war ein DB-Anteil von zwei Dritteln. Sechs Millionen Euro kostet die Verlängerung bis zum neuen Haltepunkt Öhringen-Cappel. 25 Millionen Euro verschlingt die aufwändige Signaltechnik. 50 Prozent soll die Bahn bezahlen.
Fast 3,5 Millionen Euro kosten die vom Eisenbahnbundesamt für diese DB-Strecke verlangten Übergänge oder Unterführungen für Bahnreisende in Bretzfeld, Weinsberg-West und Weinsberg. Die Kosten für die Stadtbahnverlängerung vom Heilbronner Trappensee haben sich damit auf 67,8 Millionen Euro erhöht. "Darüber wurden wir erstmals am 5. Juni 2002 informiert", sagt Landrat Czernuska. "Postwendend sind wir damit in die Verwaltungsausschuss-Sitzung des Kreistags gegangen."
Auch die Kommunen im Weinsberger Tal wurden sofort schriftlich über die Kostenerhöhung informiert. Siegfried Lorenz indes verweist auf die erforderliche Planungszeit von mindestens einem Jahr, um Planungssicherheit zu bekommen. "Natürlich kann ich scheibchenweise Kostenerhöhungen präsentieren. Das wäre aber nicht seriös gewesen."

QUELLE: Rolf Muth, HEILBRONNER STIMME...



10.Juli 2002: Spielball wird von der Kostenlawine überrollt

Erstens kommt es teurer und zweitens als man denkt. Inzwischen denkt so mancher darüber nach, ob der Hohenlohekreis wirklich an der geplanten Stadtbahn Heilbronn-Öhringen festhalten will. Die Sprecher der Kreistagsfraktionen wollen schon, nur nicht mehr so gerne wie früher.
Fraktionssitzungen gab es noch keine, und die zusätzlichen rund fünf Millionen Euro für Öhringen, Bretzfeld und den Kreis stehen nicht auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung am kommenden Montag.
Dennoch haben sich die Fraktionschefs Gedanken gemacht. "Wir sind drin, und wir sollten drin bleiben", sagt Hans-Jörg Grieb, Chef der SPD im Kreistag über die Stadtbahn. Der Nutzen für einen Teil des Kreises liege auf der Hand. "Und was einem Teil Nutzen bringt, muss auch Nutzen fürs Ganze bringen", folgert Grieb.
Ein Problem sieht er allerdings im Prozedere: "Im Augenblick sind wir kaum mehr ein echter Vertragspartner, sondern eher ein Spielball in einem für mich unüberblickbaren Vertragswust."
Karlheinz Börkel (CDU) sieht's ähnlich: "Für den Gesamtkreis gehe ich davon aus, dass man es nicht mehr stoppen kann." Hinter der plötzlichen Preissteigerung vermutet er Politik seitens der Bahn: " Man hat das vielleicht nieder gerechnet, damit es für die Gemeinden gerade noch verschmerzbar war."
Jetzt wird der Schmerz größer, denn mit den Mehrkosten für den Kreis steigt auch die Belastung für die Kommunen - egal ob Anlieger oder nicht: "Auch wir kriegen langsam Probleme ", sagt der Schöntaler Schultes.
Eben aus diesem Grund fordert Magda Reichardt (Die Grünen) "auf jeden Fall einen Ausgleich für das Jagsttal" - vor allem für die finanzschwachen Kommunen Dörzbach und Krautheim weit weg von der Stadtbahn. "Die Stadtbahn ist für unsere Region sehr wichtig", sagt sie und ist sicher: "Das gibt auch Impulse fürs Kochertal."
Dort, in Ingelfingen, ist Wolfgang Schneider Bürgermeister. Der Vorsitzende der UWV-Fraktion hält einen "Ausstieg für schwierig, nachdem es jetzt schon angeleiert ist. " Weil der Hohenlohekreis die Millionen aber nicht aus der Portokasse nehmen kann, fordert Schneider: "Das muss sich auf den gesamten Investitionshaushalt des Kreises auswirken."
Die Folge: Andere Projekte werden verschoben. "Sonst treffen wir schwache Gemeinden so hart, dass sie ihren Haushalt nicht ausgleichen können."
"Ich war immer etwas skeptisch", sagt Gerhard Feiler (FDP/FWV) und ist es immer noch: "Das ist ja wieder nur eine Schätzung. Ich gehe davon aus, dass wir noch eine Erhöhung kriegen." Der Weg zurück sei aber verbaut: "Die Frage stellt sich nicht mehr, aber ob eine Fortsetzung nach Waldenburg finanzierbar ist, muss sich erst noch zeigen."

QUELLE: Matthias Stolla, HOHENLOHER ZEITUNG...



2.Juli 2002: Planungen der Bahn-AG für den Papierkorb?

Die unerfreuliche Nachricht zuerst: Die Stadtbahnstrecke Heilbronn-Trappensee nach Öhringen wird über 24 Millionen Euro mehr kosten, als ursprünglich angenommen. Nun die erfreuliche: Die Stadtbahn fährt nach Hohenlohe planmäßig Ende 2003.
Begeistert war im Verwaltungsausschuss des Heilbronner Kreistags wohl kaum ein Rat, als der Projektleiter der Albtalverkehrsgesellschaft Karlsruhe (AVG), Siegfried Lorenz, die konkrete Berechnung vorstellte. Für den Ausbau der Streckeninfrastruktur hat er 40,4 Millionen Euro errechnet.
Für den Neu- und Ausbau der Haltepunkte in Weinsberg, Ellhofen, Obersulm, Bretzfeld und Öhringen kommen 20,1 Millionen hinzu. Die Planungskosten bezifferte Lorenz auf 7,2 Millionen Euro.
Das ist ein Gesamtpaket von 67,8 Millionen Euro, das Bund, Land, Kreis und Kommunen schultern müssen. Die ursprüngliche Kostenannahme lag bei 38,9 Millionen Euro, mit Planungskosten bei etwa 43,5 Millionen Euro. Hinzu kommen die Investitionskosten für die Fahrzeuge mit einer Summe von fast 30,2 Millionen Euro. Das ergibt eine Gesamtsumme von rund 98 Millionen Euro.
Da Bund und Land über GVFG-Mittel 85 Prozent der Bauinvestitionen und 50 Prozent der Fahrzeugbeschaffung tragen, kommt die kommunale Seite noch einmal mit einem blauen Auge davon.
Der Landkreis Heilbronn beispielsweise wird sieben Millionen Euro zu finanzieren haben. Das sind immerhin 2,46 Millionen mehr als in der Kostenübersicht vom 21. September 2001.
Diese Summe haben auch die Gemeinden an der Stadtbahnstrecke zu schultern: Weinsberg 2,59 Millionen Euro (+736 096), Ellhofen 1,03 Millionen (+335 452) und Obersulm 3,38 Millionen (+ 1,39 Millionen Euro). Der Hohenlohekreis zahlt 5,82 Millionen Euro. Das sind Mehrkosten von 2,54 Millionen Euro. Bretzfeld ist mit 2,89 Millionen Euro beteiligt (+1,1 Millionen) und Öhringen mit 2,93 Millionen Euro (+1,44 Millionen).
Auf den Protest aus den Reihen der Heilbronner Kreisräte wegen dieser Kostenexplosion erwiderte der Projektleiter der AVG, dass die Bahn und nicht die Karlsruher Gesellschaft die ursprüngliche Zahl von 38,9 Millionen Euro ermittelt habe. Dabei nicht eingeplant worden waren, so Lorenz, zusätzliche Schienenstrecken und Weichen.
Weichenverbindungen waren sogar ausgebaut worden, die nun für eine funktionierende und verdichtete Strecke wieder eingebaut werden müssen. Lorenz: "Die Bahn hat keine Ahnung wie wir das aufziehen." Erforderlich ist auch ein Gleiswechselbetrieb, der einen Betrieb in beide Richtungen in vollem Tempo erlaubt. Weiter habe die Bahn an den Kommunen vorbeigeplant.
Die Sanierung und der Ausbau des Tunnels bei Weinsberg wird anstatt der veranschlagten 1,5 Millionen Euro nun sechs Millionen kosten. Die Summe wird zu einem Drittel von der Deutschen Bahn getragen.
Der Vertrag ist allerdings noch nicht unterzeichnet. Auf 25 Millionen Euro beziffert Lorenz allein die Kosten für die Signaltechnik. Er geht davon aus, dass nur die Hälfte stadtbahnbedingt ist. Aber auch hier gibt's noch keinen Vertrag mit der Bahn und damit ein weiteres Fragezeichen für die Kommunen.
Ab März 2003 wird der Bahntunnel Weinsberg für Vorarbeiten von 21 bis 5.30 Uhr gesperrt. Vom 10. Juni bis 13. Dezember 2003 ist die Strecke komplett außer Betrieb. Ende 2003 soll die gelbe Bahn wie geplant in Öhringen einfahren.

QUELLE: Rolf Muth, HEILBRONNER STIMME...

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