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Technik

Fahrzeuge:

Die Karlsruher Zweisystem-Stadtbahnwagen vom Typ "GT 8 - 100C/2S (M)" vom Hersteller Siemens werden auf Linien, die auch elektrifizierte DB-Trassen benutzen, eingesetzt (z.B. S4, S5). Die achtachsigen Gelenktriebwagen mit Choppersteuerung erreichen Tempo 100. Sie verfügen über einen vollständigen Fahrerstand an beiden Enden sowie Türen auf beiden Seiten für einen Zweirichtungs-Betrieb.
Auf dem Dach und unter dem Fahrzeugboden sind Transformatoren und Gleichrichter untergebracht. Zusammen mit den nötigen Funk- und Sicherungssystemen - auf DB-Gleisen ist die sogenannte INDUSI (INDUktive ZugSIcherung) notwendig - sorgen sie dafür, dass die Stadtbahnen problemlos in beiden Netzen verkehren können.
Auf vielfachen Wunsch der Fahrgäste sollen nun in neue Züge auch Toiletten eingebaut werden.
Das Karlsruher Modell: Bester Nahverkehr Deutschlands

Heilbronn ist nach Saarbrücken die zweite deutsche Stadt, die auf bestehenden Bahnstrecken ein über 200 Kilometer langes S-Bahnnetz aufbaut und die Stadtbahn auf neugebauten Gleisen in die Innenstadt führt.

Vorbild für dieses Mobilitäts-Konzept ist das sogenannte Karlsruher Modell, das in Varianten inzwischen von zahlreichen Städten im In- und Ausland kopiert wird. 1999 wurde die Karlsruher Stadtbahn vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum besten Nahverkehrsangebot Deutschlands gekürt.

stadtbahn

Die Idee ist im Prinzip simpel, doch bestechend: Sogenannte Zweisystem-Fahrzeuge verkehren in der Innenstadt wie eine normale Straßenbahn, wechseln am Stadtrand jedoch auf Eisenbahnstrecken und fahren mit Tempo 100 schnell ins Umland. In Karlsruhe verbinden die Zweisystem-Stadtbahnen der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) schon seit einigen Jahren den Karlsruher Marktplatz mit der Region.
An sogenannten Systemwechselstellen am Stadtrand ändert sich die Stromversorgung vom städtischen 750 Volt Gleichspannung zur bei der Bahn gebräuchlichen Wechselspannung von 15.000 Volt und 16 2/3 Hertz.
Um mit einem Fahrzeug auf beiden Netzen fahren zu können, wurde bereits Ende der achtziger Jahre ein Stadtbahnwagen mit Systemwechseleinrichtung entwickelt. Im September 1992 war es dann soweit: zwischen der Karlsruher innenstadt und Bretten wurde die erste Stadtbahnlinie auf einer Eisenbahnstrecke eingeweiht. Daraus erwuchs später die heute über Eppingen bis nach Heilbronn verkehrende S 4. Die Fahrgastzahlen stiegen auf der ersten Stadtbahn-Linie von einst 2.000 auf heute 16.000.

Hybridbahnen noch flexibler

Combino-Duo

Auf dem Bahnhofplatz im kleinen Harzstädtchen Nordhausen war in der Nacht zum 1.Mai die Hölle los. Diesmal ging es jedoch nicht um Hexenaustreibung. Es war die neue Stadtbahn, die unter großem Feuerwerk mehrere tausend Menschen zum Jubeln brachte.
"Combino Duo" heißt das moderne Gefährt, das zwar von außen wie eine normale Tram aussieht, aber mit ganz neuen inneren Werten aufwarten kann. "Dies ist die weltweit erste elektrische Stadtbahn mit einem zusätzlichen Dieselantrieb", berichtet stolz Mathias Hartung von den Stadtwerken Nordhausen.
"Richtig happy" war Hartung, als in der Walpurgisnacht unter tosendem Beifall die erste offizielle Stadtbahn über die Gleise der Harzer Schmalspurbahnen ins elf Kilometer entfernte Ilfeld rollte. Nach über hundert Jahren ist es nun erstmals möglich, mit der Tram aus Nordhausens Innenstadt bis ans Rande des Harzgebirges zu fahren. Die modernen "Hybridfahrzeuge" können auf beiden meterspurigen Gleisnetzen verkehren. Sie nutzen dabei den Strom aus der Straßenbahn-Oberleitung, auf der Eisenbahnstrecke sorgt der Dieselmotor für die zügige Weiterfahrt.
Auch in Nordhausen wurde schon länger über eine Regional-Stadtbahn nach dem "Karlsruher Modell" nachgedacht, um dem Nahverkehr in der strukturschwachen Gegend neuen Schwung zu geben. Doch die Elektrifizierung der Harzer Schmalspurbahn habe aus Kostengründen nie zur Debatte gestanden, so Hartung.

Combino-Duo Neue Ideen waren also gefragt: wenn sich die Strecke nicht dem Fahrzeug anpassen ließ, dann musste man eben den umgekehrten Weg gehen. Die Stunde der Experten des Instituts für Maschinen, Anlagen und elektronische Gerätetechnik (IMG) in Nordhausen hatte geschlagen. Und siehe da: nach wenigen Jahren war ein kompakter, leichter und leistungsfähiger Hybridantrieb entwickelt. Dem Einbau in eine Siemens Tram vom Typ "Combino" stand nun nichts mehr im Wege. Dabei griffen die Ingenieure auf einen konventionellen PKW-Dieselmotor zurück. Dieser fungiert als Generator und liefert Strom für die Weiterfahrt ohne Oberleitung.


Doch noch Chancen im Heilbronner Netz?

Combino-Duo

Am Bahnhofsplatz in Nordhausen legt der Tramfahrer einfach einen Schalter um: der Stromabnehmer senkt sich, das Dieselaggregat schaltet sich ein und schon nach 20 Sekunden kann es weitergehen.
"Abgesehen vom Diesel-Hybrid-Antrieb entspricht der Combino Duo im Wesentlichen den baugleichen Elektrobahnen", sagt Siemens-Projektleiter Robert Koch. Bereits seit Anfang 2000 rollen sieben elektrische, rund 20 Meter lange Combinos im Nordhäuser Streckennetz. Da es sich um ein modular aufgebautes Fahrzeugkonzept handele, wären für größere Städte wie Heilbronn auch längere, fünfteilige Züge mit zwei Dieselaggregaten machbar.
Mit solchen Hybrid-Bahnen könnte auch in Heilbronn auf dem bestehenden Gleisnetz kostengünstig eine durchgehende Linie aus dem Kochertal ins Zabergäu geschaffen werden. Die Züge würden mit dem Dieselantrieb bis Bad Friedrichshall oder Lauffen fahren. Dann ginge es unter der Oberleitung ganz normal mit Strom weiter. Auf diese Weise könnte die Heilbronner Stadtbahnstrecke nach Neuenstadt doch noch eine Zukunft haben. Diese Nebenbahn wurde vom Landkreis bereits abgeschrieben: der Ausbau der Strecke für eine elektrische Stadtbahn ist schlicht zu teuer.
Dass die neuen Hybrid-Züge eine große Zukunft haben werden, dessen sind sich alle Beteiligten am Projekt in Nordhausen sicher. Zwar sei ein Combino Duo mit rund zweieinhalb Millionen Euro etwa ein Viertel teurer als die reine Elektroversion, so Hartung. Doch im Vergleich mit den Kosten einer ansonsten millionenteuren Streckenelektrifizierung mache sich das Fahrzeug schnell bezahlt.

RegioTram Auch beim Projekt RegioTram rund um Kassel sind seit Ende 2005 Dieselhybrid-Fahrzeuge im Einsatz. Sie bedienen den Streckenast Kassel - Wolfhagen, der von Obervellmar nach Wolfhagen nicht elektrifiziert ist. Im Streckennetz der Kasseler Straßenbahn werden die Dieselhybrid-Fahrzeuge mit 600 Volt Gleichstrom über Oberleitungen versorgt und fahren im nicht elektrifizierten Schienennetz mit Dieselmotorantrieb.
Die Dieselhybrid-Fahrzeuge sind mit Dieselgeneratoren von je 370 kW Leistung ausgerüstet. Diese wie auch die gesamte elektrische Ausrüstung sind auf dem Dach als Moduleinheiten installiert. Die insgesamt vier Treibstofftanks sind zwischen den Türen in den Endwagen der dreiteiligen Zugeinheiten untergebracht. Die Tanks fassen jeweils 300 Liter Kraftstoff. Damit fährt die RegioTram etwa 900 Kilometer weit. Bis auf den Dieselgenerator auf dem Dach und einigen kleineren Abweichungen sind die Dieselhybrid-Fahrzeuge mit den Elektrohybrid-Fahrzeugen baugleich. Dies vereinfacht die Wartungs- und Reparaturma┬žnahmen des RegioTram-Fuhrparks und spart Kosten.



Weitere Stadtbahnprojekte in Deutschland

Saarbahn

Immer mehr Städte suchen inzwischen Anschluß und entdecken den Nahverkehr als wichtigen Standortfaktor.

Saarbrücken: Auch die Saarmetropole hat im Oktober 1997 mit der Saarbahn die 1965 stillgelegte Straßenbahn wieder eingeführt, um das Stadtzentrum von Autoverkehr und Luftverschmutztung zu entlasten. Das in den 70er und 80er Jahren favorisierte Bussystem war an die Kapazitätsgrenze gestoßen. Die schicken blau-weißen Zweisystembahnen in Niederflurtechnik rollen nun vom französischen Sarreguemines über DB-Gleise bis in die Saarbrücker Innenstadt, weitere Linien über teilweise nicht mehr genutzte Eisenbahnstrecken sind in Bau.

Kassel: dort fährt bereits seit Sommer 2001 die RegioTram über Straßen- und Eisenbahnstrecken, zunächst auf einer Güterlinie. Seit dem 8. Mai 2005 verkehrt die RegioTram auf der Strecke Kassel-Hofgeismar-Warburg und seit Januar 2006 auch auf der Strecke Kassel-Lossetal. Die Strecke Kassel-Melsungen wurde offiziell am 23. Juni 2006 eingeweiht. Somit können die Fahrgäste bereits jetzt auf drei der insgesamt vier RegioTram-Strecken die neuen Fahrzeuge erleben.

Chemnitz, Zwickau: in Sachsen wird mit der Chemnitzer City-Bahn ein schon im ersten Betriebsjahr erfolgreiches Stadtbahnnetz auf Eisenbahngleisen aufgebaut.

Doch nicht immer verwandelt sich die Straßenbahn in eine Überlandeisenbahn. Im Zwickau hat man das Karlsruher Modell sozusagen umgekehrt. Seit Juni 1999 rollen moderne Dieselleichttriebwagen vom Typ RegioSprinter der Vogtlandbahn über Straßenbahngleise bis ins städtische Zentrum.

NOCH MEHR INFO:
Stadtbahn-Fakten von PRO BAHN...
Liste mit Stadtbahn-Projekten...
Mehr Hintergrund zur Stadtbahn HN...









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